4. Reisebericht aus Schweden

Ein letztes Mal für dieses Jahr erreicht von uns, ein herzliches hej hej, die Schweiz

Mit einem etwas mulmigen Gefühl im Magen sind wir also wieder im Flugzeug unterwegs Richtung Stockholm. Was wird uns erwarten? Alles in Ordnung im und rund um unser geliebtes Womo? Und im Kühlschrank, wie sieht es da aus? Kommt uns was Lebendiges entgegen oder hat alles unsere 14 tägige Abwesenheit überstanden? Aufmerksame Reiseberichtleserinnen und Leser erinnern sich sicher noch an unsere Anfahrt zum Campingplatz, mit dem verbrannten Auto auf dem Parkplatz und dem dazugehörenden, mulmigen Gefühl…

Nun, wir nehmen alles zurück. Nicht alles ist auch Innen immer so wie es von Aussen her vielleicht den Eindruck erweckt. Wir wurden herzlich auf dem Campingplatz zurück erwartet und empfangen und unserem Womo geht es bestens, sogar dem Innenleben vom Kühlschrank!

Da an unserem Rückkehrdatum gerade das Mittsommernachtsfest gefeiert wird, haben wir uns entschlossen noch eine Nacht in Stockholm zu bleiben und dem Treiben etwas zuschauen. In Stockholm selber haben wir das Feiern nicht so ganz wahrgenommen, ausser, dass ausnahmsweise wirklich alle Geschäfte für 3 Tage geschlossen sind, selbst die, die sonst „alla Dag öppet“ sind. (meistens von 9’00 – 21’00 Uhr) Etwas ausserhalb der Städte und besonders in Mittel – und Nordschweden wird das Mittsommernachtsfest noch traditionell gefeiert. Eine Art Maibaum wird vorbereitet und aufgestellt, Trachten werden angezogen und es wird gesungen, getanzt und gefeiert. Das Mittsommernachtsfest wird in ganz Skandinavien immer an dem Wochenende gefeiert, welches dem 21. Juni am nächsten ist.

Ergänzend zum letzten Bericht, noch einige interessante Infos zur Hauptstadt Schwedens und seiner Umgebung. Stockholm hat 782‘000 Einwohner, mit den Vororten sogar 1,7 Millionen Einwohner. Offiziell wurde die Stadt im Jahre 1252 gegründet, also noch vor der Gründung der Schweizerischen Eidgenossenschaft! Die Stadt liegt an der Mündung des Mälarsees in die Ostsee. Eine Version der möglichen Herkunft des Namens Stockholm ist: Stock = Baumstamm, Holm = Insel. Die Stadt wurde früher auf Holzpfählen gebaut und wird heute noch gerne als Venedig des Nordens genannt. Sie liegt auf nicht weniger als 14 Inseln und das Stadtbild ist geprägt durch Wasser und Brücken.

Die geplante Route an den Polarkreis verschieben wir auf eine spätere Reise nach Skandinavien und steigen nun wieder, ungefähr 14 Tage später, in unsere geplante Marschroute ein.

Wir fahren von Stockholm westwärts dem Mälarsee entlang Richtung Enköping, Våsterås, Arborga nach Örebro am Hjälmarensee. Das Wahrzeichen der Stadt, das Wasserschloss, sehen wir schon beim ersten Fahrrad-Ausflug. Örebro gilt als die Fahrradstadt Schwedens schlechthin. Überall findet man breite und schöne Radwege und die Autos lassen den Fahrradfahrern immer den Vortritt! Ferner gibt es in der Stadt eine tolle Fussgängerzone welche zum „Lädele“ und Verweilen einlädt. Wolfgang kriegt da natürlich eines seiner geliebten Kafis. Auch Kunst wird in dieser Stadt grossgeschrieben und man findet überall kunstartige Gegenstände. Für uns Kunstbanausen sind das eher komische, nicht in die Gegend passende Ungetüms. Aber jedem das Seine und in einer Stadt wo Kunst studiert wird muss solches sicher Platz haben.

Für uns aber viel schöner und interessanter ist dann der Ausflug zum See. Dort finden wir ein traumhaftes Moor welches als Naturschutzgebiet angelegt ist und mit kilometerlangen Radwegen ausgestattet. Überall im Moor findet man tolle Picknickplätze und Feuerstellen, sogar mit bereitgestelltem Holz und einem festgemachten Grillrost. Die Schweden zahlen zwar 12-25 % Mehrwertsteuer aber sie selber können dann auch wieder profitieren von solchen, für alle zugänglichen, Annehmlichkeiten. Einen kurzen Abstecher machen wir noch im Freilichtmuseum Wadköping, welches direkt in der Stadt Örebro liegt. Dann sind leider schon wieder 4 Tage rum und für uns heisst es langsam südwärts ziehen.

Eigentlich heisst unser Ziel heute Marienstadt am Vänernsee, dem grössten See Schwedens, aber unterwegs sind wir dann dem Götakanal begegnet und der hat uns für ein paar Tage gefesselt mit seiner schönen Landschaft und den traumhaften Radwegen.

Der Götakanal (Schwedens Blaues Band genannt) ist das Herzstück des fast 400 km langen Binnenwasserweges. Der Kanal führt quer durch den Süden Schwedens von Söderköping an der Ostsee nach Göteborg am Kattegatt. Ein Drittel des Wasserweges wird mittels Kanälen und Schleusen überwunden. Durch eine gigantische Ingenieur- und Arbeitsleistung meistert man, mit nicht weniger als 64 Schleusen, die beträchtlichen Höhenunterschiede die zwischen den Meeren liegt. Der Höchste Punkt liegt auf immerhin 91 Meter üM. Der 190km lange Kanal wurde von 1810 bis 1832 gebaut. 87 km dieser Kanalstrecke wurden von 58‘000 schwedischen Soldaten von Hand gegraben. 3 Jahre vor der Eröffnung des Kanals verstarb der geniale Erfinder dieses Bauwerks.

Noch heute wird der Götakanal als herausragendes Wunderwerk Schwedens genannt. Egal ob man mit seinem eigenen Boot, auf einem Passagierschiff oder mit dem Fahrrad den Kanal entdeckt. Er verläuft mit seinen vielen Schleusen durch 5 Seen und ist immer eine Reise wert. Wir begegnen dem Kanal erstmals in Sjörtorp (erste Stellplatzerfahrung gesammelt) bei der Einmündung in den Vänersee und dann nochmals in Karlsborg bei der Einmündung in den Vätternsee. An beiden Orten sind wir die tollen Radwege entlang gestrampelt und machten ab und zu einen Halt in den kleinen Häfen mit ihren gemütlichen Cafés und Anlegestellen. Wir hoffen sehr, dass wir bei einer anderen Gelegenheit weitere Velo km, dem Götakanal entlang abstrampeln können.

Unser nächstes Ziel ist in Kinna, (Südlich von Boras, zwischen Göteborg und Jönköping) einem kleinen Ort, an einem der unzähligen Seen Schwedens. Unser Platz liegt direkt am See und lädt bei diesem heissen Wetter (30°C) zum Baden ein. Das erste und wahrscheinlich auch letzte Mal während unserer Reise, dass wir uns weiter ins Wasser getrauen als bis zu den Knien. Die Schweden baden auch schon bei einer Wasser- und Lufttemperatur von knapp 15 Grad und können uns „Gförline“ nur belächeln wenn wir uns langsam an die „Kälte“ des Wassers ran tasten und nicht wie sie gleich rein hopsen.
Seit unserem Rückflug nach Schweden und auch schon vorher haben wir super Glück mit dem Wetter und mehr als abends mal ein kleiner Gewitterregen ist nicht in Aussicht. Im Gegenteil, morgens müssen wir ganz schön früh raus weil uns schon früh die Sonne auf den Pelz scheint (ab 5:30 Uhr) und das Womo gehörig aufwärmt.

Die Fahrt geht weiter Richtung Meer. Von Kinna aus Richtung Varberg, Falkenberg, Halmstadt. Kurz vor Helsingborg biegen wir rechts ab Richtung Mölle am Kattegatten in der Ostsee. Mit den Velos machen wir Ausflüge nach Mölle und Höganäs, beides sind kleine Hafenstädte mit wunderschöner Aussicht.

Mit einem etwas wehmütigen Gefühl fahren wir nun Richtung Helsingborg, im Wissen, dass unser „Schweden – Abenteuer“ gleich sein Ende nehmen wird. In knapp ¼ Stunde fährt die Fähre von Helsingborg in Schweden nach Helsingør in Dänemark. Von dort fahren wir Richtung Kopenhagen, Køge auf die Insel Lolland bis nach Maribo. Dort übernachten wir und ziehen am Tag darauf weiter nach Rødby und mit der Fähre (3/4 Std.) nach Puttgarden (D) auf die Insel Fehrmann. Für uns hat sich nun der Kreis geschlossen und wir sind wieder an dem Ort angelangt wo wir am 16. Mai gestartet sind. Viel ist seither geschehen und viel haben wir erlebt.

Auf der Rückreise durch Deutschland machen wir noch Halt im Camping Wiesengrund in Malliss, nähe Schwerin. Einem Familiencamping mit Familienanschluss! Oder ist es euch schon mal passiert, dass wenn ihr wo ankommt gerade die CH Flagge aus Freude gehisst wird. Der Chef wollte uns sogar mit dem Auto suchen kommen als wir mit den Velos bei bevorstehendem Gewitter noch unterwegs waren und unsere Camping – Nachbarn hatten schon vorsichtshalber unsere Stühle in einen Schuppen gestellt damit sie ja nicht nass werden. Das ist doch mal Nachbarschaft oder etwa nicht?

Es kann aber auch ganz anders raus kommen. Schon auf dem nächsten Campingplatz (nähe Erfuhrt) sorgte die Nachbarschaft für etwas Aufregung. Unser Womo war von der Fahrt und dem Klima her sehr warm und feucht, so dass wir bei der Ankunft beschlossen die Klimaanlage einzuschalten und etwas für Abkühlung zu sorgen. Nach ca. 10 Minuten stand ein Campinggast bei uns auf der Matte und fragte was dies für ein Surren sei und wie lange dies dauern würde? Nach knapp einer Stunde stand seine Frau auf der Matte und behandelte uns wir kleine Schulkinder und hielt uns an sofort dieses Ding abzustellen oder woanders zu parken, es störe sie beim Lesen!!! Das sind Probleme liebe Leute, ein Surren stört beim Lesen. Mit einem Lächeln auf den Lippen und unserem ausgesprochenem Bedauern für die Unannehmlichkeit stellten wir das „leise Surren“ ab und gehen ins nahegelegene Thermalbad baden. (unsere „warme“ Badetemperatur!!!)

Nun fällt die Entscheidung auch nicht mehr schwer ob wir noch eine Nacht bleiben wollen oder gleich weiter ziehen werden. Die Fahrt führt uns von Erfuhrt über Schweinfurt, Würzburg, Ulm, Memmingen Richtung Lindau und von dort dann noch bis nach Kressbronn am Bodensee. Nach über 500 km am selben Tag sind wir KO und entschliessen uns hier noch vor dem Endspurt etwas zu entspannen und zu radeln.

Sehr viel Schönes und auch Emotionales konnten wir in den vergangenen 8 Wochen sehen und erleben. Wir danken euch allen fürs aktive Mitreisen mit uns, für die vielen lieben Anrufe, SMS und sonstigen Zeichen von euch während dieser Zeit und freuen uns schon die einen oder andern in der CH bald wieder zu sehen. Auch wir sagen jetzt zu Schweden und unserer gesamten Reise ein herzliches Hejdå. Dass wir wiederkommen werden ist keine Frage, denn die ansteckende Krankheit (das Nordenfieber) hat uns schon seit mehreren Jahren fest im Griff und wir sehen keinen Bedarf dieses Fieber behandeln zu lassen.

In diesem Sinne, auf ein anders Mal, liebe Leserinnen und Leser.
Wir verabschieden uns mit einem
herzlichen hej hejdå

Renate + Wolfgang