REISEBERICHT Nr. 2

Insel Åland, Helsinki und Lahti

Ein herzliches Hej, hej an alle Reiseberichtleserinnen und Leser, wo auch immer ihr gerade seid.

Bereits sind wieder 10 Tage vergangen seit wir den letzten Bericht geschrieben haben und wir durften so einiges Erleben. Vor allem einfach so in den Tag hinein leben ohne gross auf die Uhr zu schauen.
Ganz nach dem Motto; wenn wir Lust haben zu fahren fahren wir weiter, wenn wir Hunger haben essen wir und wenn wir müde sind schlafen wir. Der Weg ist unser Ziel!

Wir sind von Nynäshamn weiter über Stockholm bis nach Kapelskärs gefahren. Dort versuchten wir an einem Ticketschalter ein Billet für die Überfahrt zu erhalten. Doch hier geht nichts ohne Handy. Der Kauf eines Tickets geht nur übers Internet mit Bezahlung über die Kreditkarte. Nach 4 Anläufen haben Wolfgang und ich sogar eine Seite mit Deutscher Übersetzung gefunden und konnten so unsere Weiterreise nach Marienhamn auf die Insel Aland buchen und sogar auch schon von dort aus die Weiterfahrt nach Turku. (beide Orte sind bereits in Finnland)

Die Übernachtung auf dem fast ausgestorbenen Camping in Kapelskär war sehr speziell. Bereits bei unserer Ankunft haben wir viele Soldaten entdeckt, welche sich unter den Bäumen ausruhten und stark bemalen waren. Auf unserer kurzen Radtour haben wir festgestellt, dass der Camping und die Hafenanlage (gesponsert von der EU) direkt an ein grosses Militärzentrum grenzen. In der folgenden Nacht wurden wir durch ein gross angelegtes Schiessgefecht geweckt. Im Wald wiederhallten dieses Schüsse und wir kamen uns für mehr als eine halbe Stunde vor wie im Krieg. Wir konnten uns plötzlich hautnah vorstellen wie es für Leute sein muss, welche in Kriegsgebieten wohnen und ständig in Angst leben müssen. Bei uns war dies zum Glück ja bloss eine Übung!

Die Überfahrt nach Marienhamn dauerte 3½ Stunden und war ein absoluter Traum. Bei schönstem Wetter kurvte diese riesen grosse Fähre durch die Schären. Insel um Insel wurde umrundet und wir kamen uns in dieser traumhaften Welt plötzlich wieder sehr klein vor.
  

Die Åland Inseln (heisst Wasserland) umfassen über 6700 Inseln die zwischen Schweden und Finnland am Südrand des Bottnischen Meeresbusen liegen. Es ist eine autonome Finnische Provinz mit ca. 28‘000 Einwohnern von denen gut die Hälfte in Marienhamn wohnen. Trotz der Finnischen Staatsangehörigkeit wird hier nur Schwedisch gesprochen.

Mit dem Fahrrad haben wir die Insel von Marienhamn erkundet. Die Pommern, ein alter 4 Mast Frachtsegler erinnert an die grösste Seglerflotte um 1909, welche hier beheimatet war. Heute lebt Aland immer noch von der Schifffahrt und vor allem auch vom Tourismus.
Bereits am nächsten Tag ging für uns die vorerst letzte Fährenfahrt los. Diesmal dauerte die Überfahrt mehr als 5 Stunden. Erst sassen wir mal gut 1 Stunde auf dem obersten Deck und genossen ein kühles Bier, sogar zu erschwinglichem Preis. Die Aussicht war ein Traum. Wiederum ging die Fahrt an hunderten von Inseln vorbei und für uns war bei diesem Traumwetter die Überfahrt ein Genuss.

    

Da wir ab und zu Leute in schönen Roben begegneten, wollten wir wissen was auf dem Schiff sonst noch so los war. Wir glaubten unseren Augen nicht zu trauen. 4 Restaurants, eine Karaoke Bar (da wird gesungen nach Text und Melodievorgabe), 2 Dancing‘s mit Livemusik (1x 4 Mann Band + 1 x Duo), ein Spielcasino, eine riesen Zollfreishop und überall schöne Plätze zum Sitzen und verweilen. Sogar ein Spru-delbad und eine Sauna waren an Bord! Das Schiff kam von Stockholm her und des-halb hatten die Passagiere so viel Zeit diese Angebote voll auszunützen. (sind über 11 Stunden an Bord)

In Turku übernachteten wir 2 Mal und erkundeten die Stadt mit den Velo’s. Turku ist die älteste und 5. grösste Stadt Finnlands.

  

Die Fahrt von Turku nach Helsinki (ca.190km) haben wir über die Autobahn zurückgelegt. Der Campingplatz war schnell gefunden und wir nutzten den Rest des Tages mit Waschen und Einkaufen.

Per Hop-On Hop-Off Bus ging‘s am nächsten Tag auf Erkundungstour der Hauptstadt Finnlands. Rund 570’000 Einwohner hat die Stadt und ist nach Reykjavik, die 2. höchst gelegene Hauptstadt der Welt. Stockmann, so heisst das grösste Kaufhaus der Stadt und liegt unweit vom Hafen. Am langgezogenen Hafen findet auch das Leben im Sommer statt. Verschiedene Märkte, Restaurants, Badeanstalten mit sehr vielen Leuten trifft man dort an. Die Märkte sind eine Augenweide und laden zum Probieren und Kaufen ein. Man glaubt es kaum, aber wir haben auf dem Markt Appenzeller Käse probieren müssen um dann zu bestätigen, dass er mindestens so gut sei wie der aus unserer Heimat. (er wird in Nord-Finnland nach altem Schweizer Rezept hergestellt) Eine Fahrt mit dem Riesenrad durfte bei unserem Besuch nicht fehlen. So konnten wir nochmals einen tollen Blick auf die Stadt erhaschen.

Nach 3 Tagen hatten wir genug von der Grossstadt und es zog uns weiter nach Lahti. Bekannt für seine Wintersportanlagen mit den 3 Sprungschanzen. Etwas ausserhalb, am Vesijärvisee fanden wir einen tollen Campingplatz. Mit den Fahrrädern fuhren wir in die Stadt an den Hafen. Als wir gemütlich bei einem Eis sassen kam eine über 100 Mann grosse Töfflibuebe-Gruppe, welche direkt vor unseren Augen einen Halt einlegten.

Wolfgang war nicht mehr zu halten. Er liess Kaffee, Eis und Frau links liegen und musste die Töffli’s näher betrachten. Hell begeistert und mit leuchtenden Augen kam er mit schönen Fotos von seinen Favoriten zurück. Er träumt nun davon sich auch so ein tolles Ding zuzulegen!

  
Am 2. Tag nahmen wir auf dem Friedhof von Lahti Abschied von unserer langjährigen, finnischen Kollegin Eija, welche im letzten Jahr, mit nur 68 Jahren in der Schweiz verstorben ist. Eija ist mit 20 Jahren als Krankenschwester für geplante 2 Jahre in die Schweiz gekommen und bis zu ihrem Tod geblieben. Jetzt ist sie wieder Zuhause angekommen und wir sagen, Tschüss Eija.

Noch kurz etwas zum Wetter. Wir hatten die letzten 10 Tage Sonne pur und das für jeweils mindestens 18 Stunden (4:30 Uhr Aufgang + 22:30 Uhr Untergang) bei einer Durchschnittstemperatur von gut 22 Grad Celsius. Was will man noch mehr?

So, das wären also wieder Mal die neusten Informationen zu unserer tollen Reise.

Alle Zuhausegebliebenen und die Reisenden lassen wir herzlich Grüssen und verbleiben mit einem herzlichen “Hej do” und sagen Tschüss bis zum nächsten Bericht.

Eure Rewo‘s (Renate und Wolfgang Lorch)