REISEBERICHT Nr. 5

Nord- und Mittel Schweden

Hej, hej liebe Reiseberichtleserinnen und Leser.

Bereits sind wieder (erst) 10 Tage vergangen seit dem letzten Reisebericht. Wir haben aber beide das Gefühl, dass dies schon viel länger her sein muss. Immer noch sind unsere Tage gespickt mit vielen Eindrücken, wunderschönen Landschaften und zum Teil auch kuriosen Begegnungen. Mehr dazu dann später.

Erst mal mussten wir unseren Erlebnishunger etwas bremsen und mehr nach dem Motto; „weniger ist mehr“. Oft  vermochte unsere Seele den Erlebnissen gar nicht mehr folgen, was sich mit einer grossen Müdigkeit bemerkbar machte und wir haben unheimlich viel geschlafen. (10 Stunden in der Nacht und jeweils 1 -2 Stunden am Nachmittag) Zudem habe ich, Renate, noch eine Magenverstimmung aufgelesen und musste diese ein paar Tage auskurieren. (etwas schlechtes gegessen!)

Das schlechte Wetter hält an, Regen und Wind sind ein paar Tage unsere Begleiter und langsam wird es im Womo ganz schön eng! Wir besichtigen Umea mit dem Taxi und schauen dem Personal des Campingplatzes zu, wie sie versuchen bei strömendem Regen „Mitsommer“ zu feiern, die Leute zu animieren und um den Baum rumzutanzen!

  

Hier ein paar Infos zu Midsommar in Schweden und Juhannus in Finnland:
Midsommar ist in Schweden, nach Weihnachten das 2. grösste Fest des Jahres. Die meisten Schweden feiern es mit Verwandten, Freunden und Nachbarn. Laut Gesetzt aus dem Jahr 1953 wird Midsommar immer an dem Samstag gefeiert, der zwischen dem 20. und dem 26. Juni liegt. Der Freitag davor wird Midsommerarafton, Midsommerabend und der Samstag Midsommardag genannt. Obwohl der Freitag kein offizieller Feiertag ist, haben die meisten Geschäfte geschlossen, was in Schweden fast gar nie vorkommt. Die Bewohner der grossen Städte pilgern zu den Feierlichkeiten aufs Land. Für Touristen wird an diesen Tagen in Schweden nicht wirklich viel geboten. (Zum Glück gab es auf den Campingplatz aber noch das Public Viewing zur Fussball WM, Deutschland – Schweden!)

Unverheiratete Mädchen pflücken in der Nacht vor Midsommar 7 Sorten wilder Blumen von 7 verschiedenen Wiesen, die sie dann unter ihre Kopfkissen legen. Dann sollten sie der Legende nach von dem träumen, den sie irgendwann einmal heiraten werden. Sie müssen aber beim Pflücken absolut still sein und am nächsten Tag dürfen sie niemandem erzählen von wem sie geträumt haben, sonst geht der Traum nicht in Erfüllung.

In Finnland heisst der Tag Juhannuskokko (Johannesfeuer) und ist eine uralte Tradition, mit dem der Jahreslauf und die helle Nacht gefeiert werden und böse Geister fern gehalten werden sollen. Die Häuser werden mit Birkenzweigen und Blumen geschmückt, die Finnenflaggen werden gehisst. Gegen 22 Uhr kommt es dann zum Höhepunkt des Festes, es wird das Johannesfeuer entfacht. Hierzu kommen ganze Dörfer und Dorfschaften zusammen. (Das kennen wir Schweizer doch von irgendwo her, oder?) Es wird gegessen, gesungen, getanzt und gelacht. Geschlafen wird in dieser Nacht nur sehr wenig. Das können sie ja dann in den langen Wintern noch mehr als genug! Die Finnen feiern den Juhannus ebenfalls am Samstag zwischen dem 20. und 26. Juni. Trotz des christlich anmutenden Namens sind sowohl die Ursprünge als auch die bis heute gültigen Traditionen ein lang überlieferter heidnischer Brauch.

Weiter geht’s auf unserer Reise Richtung Süden und alles dem Bottnischen Meeresbusen entlang vorbei an endlosen Wäldern, schönen Seelandschaften, vielen Inseln und, und, und… ein Traum und jetzt ist auch das Wetter wieder viel besser und wird von Tag zu Tag wärmer.

  

  

  

Wir fahren die Städte Skelleftea, Umea, Sundsvall, Söderhamn und Gävle an, immer Richtung Süden bevor wir dann Richtung Westen abbiegen. Da uns die Städte nicht viel sagen suchen wir uns Stellplätze oder Campingplätze welche meistens irgendwo am Wasser liegen. Kurz nach unserer Ankunft in Schweden haben wir uns eine App runtergeladen mit fast 1000 Wohnmobil – Stellplätzen verteilt auf ganz Schweden. Bis jetzt haben wir damit die tollsten Erfahrungen gemacht. Die Plätze liegen meistens an einem Hafen und traumhaft schön. Wenn man die Plätze kurz nach dem Mittag anfährt hat man die beste Gewähr einen Traumplatz zu ergattern, ausser man ist Schweizer und unheimlich gut erzogen!!!

In der Nähe von Sundsvall war dies der Fall. Wir hatten bereits bei unserer Ankunft gemerkt, dass ein Paar mit Wohnwagen sich bereit macht zur Abfahrt. Wir vermuteten, dass dies aber schon noch gut eine Stunde dauern wird. Also Zeit, für einen kurzen Mittagsschlaf. Als wir aufwachten wurde gerade der Wohnwagen ans Auto angehängt und wir machten uns bereit zum Platz wechseln. Doch was passiert da, da kommt von hinten ein NL Womo (Holland) und schnappt uns den Platz vor der Nase weg. Als wir sie darauf Aufmerksam machten, dass wir nur aus Anstand und Rücksicht gewartet haben, damit das ältere Ehepaar in Ruhe zusammenpacken kann, meinten sie darauf nur: Pech gehabt, der „schnellere ist der geschwindere!!!! Von wegen Kinderstube und Anstand, den hätten wir mal lieber Zuhause gelassen. Ihr seid einfach zu gut für diese Welt, würde jetzt meine Schwester sagen!

  

In Örebro machen wir auf dem gleichen Campingplatz einen Halt wie vor 7 Jahren. Damals mussten wir unsere Reise ja unterbrechen und heimfliegen, da meine Mutter überraschend verstorben war. Örebro war dann der 1. Halt nach dem wir unser Womo in Stockholm wieder abholten und Richtung Heimat fuhren. Mit dem Rad fuhren wir wieder ins nahe gelegene Moor mit den vielen tollen Vogelarten und der erholsamen und beruhigenden Landschaft. Wir fanden sogar noch unser damaliges Picknick Plätzchen vor und waren erstaunt wie gut wir die Stadt und die Radwege noch kannten. Es ist uns von dieser Zeit mehr in Erinnerung geblieben, als wir für möglich hielten. Für uns lief das Ganze damals wie ein Film ab, in dem wir eine komische Rolle zu spielen hatten, ohne dass wir gefragt wurden ob wir dies auch möchten. Umso schöner war es diesmal, alles bewusster zu erleben und zu geniessen.

Nun sind wir bereits am Vänernsee und verbringen hier ein Wochenende mit Radfahren, Waschen, Reisebericht schreiben und geniessen.

  

Ich war sogar beim Frisör in der Stadt Amal, obwohl dies Wolfgang eigentlich selber erledigen wollte. Auch wenn viele behaupten, dass Wolfgang alles könne, so ist mir mein Kopf und meine Haarbracht heilig und nicht unbedingt für seine Technikerhände gemacht. Es müssen ja schliesslich keine Schrauben angezogen oder keine Löcher gebohrt werden, sondern nur die Haare geschnitten! Sorry Schatz, aber das musste jetzt sein!

Im letzten Bericht werden wir noch über den Rest der Reise berichten, welche uns erst noch etwas Nordwärts nach Fjällbacka (auf den Spuren meiner Lieblingskrimi Autorin Camilla Läckberg) führen wird und dann nach Göteborg, Dänemark, Kiel und immer Richtung Süden. Bestimmt haben wir auch noch ein paar Zahlen unserer Reise für Euch bereit. Also, lasst Euch überraschen.

Mit einem herzlichen hej do (Auf Wiedersehen) und einem ebenso herzlichen tack tack (Dankeschön) für die vielen Sms‘s und Watsup’s möchten wir uns diesmal verabschieden.

Eure Rewo‘s (Renate und Wolfgang Lorch)